Kuratierung: Ruth Schweikert
Zum diesjährigen 1. August geben Künstlerinnen und Künstler ein vielstimmiges Statement ab zur heutigen Schweiz. Anlass der Initiative ist die gegenwärtige innen- und aussenpolitische Situation unseres Landes, die Kluft zwischen Selbstwahrnehmung der Schweiz und ihrer Lage in der Welt.
Pressestimmen zu dieser Aktion
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Wussten Sie, dass der Schweizerpsalm in seinen vier Strophen die vier Himmelsrichtungen besingt? «Trittst im Morgenrot daher», von Osten her also. In den weiteren Strophen folgen das «Abendglühn» des Westens, der nördliche «Nebelflor» und der «wilde Sturm» der Sahara. Leider wird die in der Nationalhymne gezeigte Weltverbundenheit unseres Landes zu selten wirklich ausgekostet. Vielleicht ändert sich das, wenn wir uns um deutlichere Worte bemühen? Bitte singen Sie mit.
Trittst von Osten du daher
Ach, was bist du müd und leer!
Hast für uns geackert zu Sklavenlohn
Sieh wie mein Gesicht sich schamvoll rötet
Bitte um Verzeihung dich, Herrlicher
Heute reich ich dir die Hand
Heute reich ich dir die Hand
Sei willkomm’n im Schweizerland
Sei grad du willkomm’n im Schweizerland
Trittst von Westen du daher
Glaubst, die Welt gehöre dir
Geld regiert die Welt – doch das gilt heut nicht
Steig du mal herab von deinem Thron
Alle andren wollen auch ihren Lohn
Steig herab, reich uns die Hand
Allen Menschen reich die Hand
Sei willkomm’n im Schweizerland
Sei auch du willkomm’n im Schweizerland
Trittst von Norden her ins Land
Prallst an unsre Reduit-Wand
Beide unverrückbar aus Trotz und Angst
Stierengrinde, Paragrafenhengste
Ach, was soll’s! Lass jedem seine Art
Heute reich ich dir die Hand
Heute reich ich dir die Hand
Sei willkomm’n im Schweizerland
Sei auch du willkomm’n im Schweizerland
Kommst von Süden du zu uns
Schleichst du heimlich, und mit Grund
Nie wollt’ ich dich bitten, mein Gast zu sein
Nicht mal ein Almosen wollt ich senden
Aber das wird sich ab heut ändern!
Heute reich ich dir die Hand
Heute reich ich dir die Hand
Sei willkomm’n im Schweizerland
Sei grad du willkomm’n im Schweizerland
Tim Krohn, geboren 1965, lebt als Schriftsteller in Zürich. Seine bekanntesten Romane sind «Quatemberkinder», «Irinas Buch der Leichtfertigen Liebe», «Vrenelis Gärtli» und «Ans Meer». Soeben erschien sein neuestes Buch «Der Geist am Berg», illustriert von Laura Jurt. Tim Krohn unterrichtet auch literarisches Schreiben an der Hochschule der Künste Bern.
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