«an deiner statt» (2012)

Pressestimmen


(Bonus) Sabine  Wang

Isola felice


Müller hatte einen Traum, ja, er hatte einen Traum. Ein Somalier kommt in die Schweiz, stellt ein Asylgesuch, wird als Flüchtling anerkannt, in diesem Fall – Pause – zu Recht. Er heiratet – nein, nicht Müller, der Somalier – Also: Der Somalier heiratet eine dominikanische Frau aus der Dominikanischen Republik, die drei Kinder hat: So. Aber wo hatten sich der Somalier und die Frau aus der Dominikanischen kennen gelernt? Warum hatte die Frau drei Kinder und nicht eins oder zwei oder gleich sechs? Und von wem? Es gibt nur eine Frage! tönte Präsident Walters glockenhelle Stimme. Ja, es war ein Traum, Müller wusste nicht mehr, wie er auf dieses unbewusst explizite Beispiel gekommen war. Egal, seine parlamentarische Initiative, den Familiennachzug vom Asyl- ins Ausländerrecht auszulagern, hatte in der Kommission des National- und Ständerates eine Mehrheit gefunden. Und die wissen auch, was sie tun, gopfetami. Nochmals: Ja, irgendwie hörte er sich gern reden. Aber unten im Saal lobbyierten kräftig die Flüchtlingshilfswerke, die SVP-Fraktion lachte aufgekratzt aus unerfindlichen Gründen und die SP vermischte typisch Sozi zwei Dinge – Leute mit und Leute ohne Geld. Sie sollten zuhören, sonst höre ich auf! Müller hörte auf. Aber wo – er kannte doch sonst jedes Gesetz – wo hatten sich der Somalier und die Frau aus der Dominikanischen – Filmriss. Die Grünliberalen stellten einen Aufweichungsantrag. Abstimmung. 90:88 – gegen ihn. Der Somalier und die Frau aus der Dominikanischen küssten sich in Müllers Kopf. Dort also. Aha.

frei nach http://www.parlament.ch/ ...


Sabine Wen-Ching Wang, gebürtige Thurgauerin, aufgewachsen in Appenzell AR, lebt heute in einer schweizerfreundlichen deutschen Stadt.


->Diesen Text als RTF-Dokument herunterladen



Pressestimmen


Alle Texte als ZIP-Archiv herunterladen




© https://kunst-und-politik.ch/  |  Impressum  |  Zum Seitenanfang