Das Deutschschweizer PEN Zentrum (DSPZ) und Kunst + Politik unterstützen den Aufruf, verfasst von der Autorin Gilberte Favre. Der persönlich verfasste Brief wird via L’Orient–Le Jour (Beirut) dem Syrischen Schriftstellerverband zugestellt. Dem Schreiben angefügt wurde die Namensliste.
[Übersetzung]
Gilberte Favre
Lausanne (Schweiz)
(via L’Orient-Le Jour, Beirut)
«Schweigen tötet.»
N. Z.
Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,
Als Schweizer Autorin habe ich das Glück, mich in einem demokratischen und mehrsprachigen Land frei ausdrücken zu können. Ausserdem bin ich mit dem Nahen Osten vertraut und hatte auch die Gelegenheit, mich mehrmals in eurem Land aufzuhalten (1967, 1971 und 2009).
Seit bald einem Jahr müsst ihr die Repressionen eines gnadenlosen Regimes über euch ergehen lassen, das sich in keiner Weise um die internationale Verurteilung schert (UNO, Arabische Liga, Amnesty International...).
Es ist mir klar, dass angesichts des Assad-Regimes, das seit vielen Jahren über Syrien herrscht, syrische Autoren und Künstler schon einen hohen Tribut bezahlt haben. Manche von ihnen, mit Publikationsverbot, waren im Gefängnis, wurden gefoltert, vertrieben oder getötet.
...
Mit dieser Nachricht, welche die Unterstützung meiner Kollegen hat, möchte ich meine Solidarität ausdrücken mit dem Syrischen Schriftstellerverband, der in Opposition zu Baschar al-Assad steht.
Adressiert an unsere syrischen Kollegen, richtet sich unser Brief natürlich auch ans syrische Volk, das Opfer eines unmenschlichen Regimes ist, weil es soweit geht, Alte und Kinder zu foltern und zu töten (bis jetzt 8000!), was übrigens ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit ist.
Wir unterstützen die Syrer im Kampf gegen die Unterdrückung. Da das demokratische Virus sehr ansteckend ist, wünschen wir, dass das syrische Volk – mit allen seinen ethnischen und religiösen Komponenten – schnell in den Genuss eines Staates kommt, der auf den elementaren Grundsätzen Gleichheit, Freiheit und Demokratie gegründet ist. Es sind die Grundsätze, die in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte stehen, die am 10. Dezember 1948 in Paris von 58 Gründerstaaten, die damals die Generalversammlung der Vereinten Nationen bildeten, verkündet wurden.
Aus der Schweiz, März 2012
Gilberte Favre
Autorin