Curatrice: Ruth Schweikert
A l’occasion du 1er août prochain, les artistes ont décidé de donner de la voix – leur voix, diverse et multiple – sur la Suisse d’aujourd’hui. Les artistes sont en effet préoccupés par la situation de la Suisse sur le plan national et international, par le fossé entre la perception que le pays a de lui-même et sa véritable situation dans le monde.
Revue de presse à propos de cette action
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Based on a True Story
Vielleicht der kreativste Politiker bei der Zukunftsplanung der Schweiz war jüngst Muammar al-Gaddafi, als er kurzerhand ihre Auflösung anregte. Einzig bei der Wahl der Parteien, an die sie gehen sollte, bewies er wenig Sachverstand: Warum bloss die Nachbarländer? Weit realitätsnäher wäre es, das Land nach seinen Multis aufzuteilen, die schon längst ihre Anteilscheine gezeichnet haben. In deregulierten Zeiten könnte dabei «swiss made» als claim ohne weiteres fortbestehen, auch nach der Staatsauflösung.
Hätte jemand etwas davon bemerkt? Ausserhalb der Schweiz wohl kaum, und innerhalb hätte man sich schnell daran gewöhnt – wie schon daran, dass Schweiz-Repräsentanten sich in unfreiwilligem Galgenhumor üben, dass Politsendungen zu Diffamationsforen für Populisten verkommen, an Magistratenslapstick zwecks Geiselbefreiung, dadaistische Promiverhaftungen, den Narzissmus philosophierender Verkehrsminister und kunstsammelnder Altbundesräte…
Wenn aber ein Land so dauerhaft auf der politischen Intensivstation liegt, wird auch dies nach einer gewissen Zeit zur Normalität. Im Ausland sind unsere Notstandskapriolen kein Hingucker mehr. Man denkt nicht an Wiederbelebungsmassnahmen, man sieht sich nach anderen Pausenclowns um.
Und die EU? Wird sie ernsthaft die Eingliederung des vollauf Blamierten in einen Verbund wünschen, der mehr und mehr der wirtschaftlichen Stärkung seiner Mitglieder dient, nachdem er einst Frieden und Verständigung hätte sichern sollen? Europa sieht in der Schweiz einen Handelspartner, der sich ab und zu als Schlichter am grünen Tisch gefällt. Wie beim Geschäft üblich: Stimmen die Konditionen nicht mehr, müssen neue ausgehandelt werden.
In diesen Verhandlungen hat die Drehscheiben-Schweiz immer weniger Argumente. Daran würde auch die Umbenennung der Dufour- in Nestléspitze, des Piz d’Err in Fuorcla di Novartis, der Midi-Gruppe in Dents de Roche, des Jungfrau- in CS-Joch nichts ändern. Aber immerhin bei den asiatischen Touristen könnte es zum Vorteil gereichen. Denn gewiss wären Schweizer Weltmarken – Toblerone, Sandimmun, Swatch – das letzte, was man von der aufgelösten Confoederatio nach Gaddafis Ehrenbegräbnis auf dem Rütli in Erinnerung behielte. Und dazu selbstredend die im Witz verbürgte Erfindung des Jodels auf einer stotzigen Berner Alp: Zwei japanische Touristen beugen sich über den Abgrund, halten Ausschau nach dem runtergefallenen Kofferradio (Sanyo, nicht Studer-Revox), und einer fragt den andern: «Hol i di Ladio / odel / hol du di Ladio?»
Michel Mettler, geboren 1966, lebt als Schriftsteller und Musiker in Brugg. Der Roman «Die Spange» erschien 2006. Jüngste Veröffentlichung: «H stellt sich vor», gemeinsam mit Felix Kauf. Im kommenden Jahr ist er Gastprofessor am Collegium Helvticum in Zürich.
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