Curatrice: Ruth Schweikert
A l’occasion du 1er août prochain, les artistes ont décidé de donner de la voix – leur voix, diverse et multiple – sur la Suisse d’aujourd’hui. Les artistes sont en effet préoccupés par la situation de la Suisse sur le plan national et international, par le fossé entre la perception que le pays a de lui-même et sa véritable situation dans le monde.
Revue de presse à propos de cette action
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Sie stellt den Staubsauger ab, als ich stehenbleibe, und lächelt verlegen. Erwischt! Mit der Hand fährt sie sich über das Gesicht, es ist heiss. «Eben», sagt sie. «Die Sonne!» Die Sonne trocknet die vom Rasenmäher abgeschnittenen Grashalme aus und färbt sie braun. Da kann sie noch so lange rechen, all die kleinen Spitzen, die erwischt sie nie. Und was macht das dann für eine Gattung, diese unregelmässigen braunen Sprenkel im grasgrünen Gras! Deshalb der Staubsauger. Gleich nach dem Rasenmäher und dem Rechen.
Ich nicke, als leuchte mir das alles durchaus ein, und ich denke: Das glaubt mir natürlich wieder keiner. Dass ich das nicht erfunden habe.
Immer diese Klischees!
Immerhin, es ist nicht Samstag. Und ihr Auto steht ungewaschen am Strassenrand.
Was macht das wieder für eine Gattung!
Die Gattung. Gibt es dieses Wort in einer anderen Sprache? Nicht die Gattung Mensch oder Tier, nein, die Gattung, die es macht. Wie sieht das aus! Was sollen die Leute sagen! Gibt es ein anderes Land, in dem das so eine Bedeutung hat? Und ich nehme mich da nicht aus, ich bin nicht anders, wir sind nicht anders, wir Künstler, als alle anderen. Wir bewegen uns in exakt abgesteckten Zirkeln, wir erfüllen Erwartungen, die niemand aussprechen muss, wir schauen verstohlen über unsere Schultern, wir pressen die Lippen zusammen.
«Warum macht die jetzt plötzlich Theater, die ist doch Journalistin?»
«Und dann hat sie die Wäsche einfach hängenlassen, nach dem Regen!»
«Also, das ist nicht mehr Rockmusik, was die machen, das ist Kleinkunst!»
«Der Sohn soll ja Schulden haben!»
Ob sie zwischen den Gestellen im Volg oder auf dem Weg vom Theaterfoyer zur Bar abgegeben werden, diese Kommentare unterscheiden sich höchstens inhaltlich. Ausgesprochen werden sie im selben Ton und mit der selben Absicht: Dass hier ja niemand seinen Platz verlässt! Hallo? Zurück auf Feld eins!
Wir schauen uns gegenseitig zu, beim Leben, beim Arbeiten, beim Denken, wir kommentieren und beurteilen, was wir sehen, konstant und verhindern so zuverlässig, dass irgendetwas passiert.
Dass sich irgendetwas ändert. Möglich wäre in diesem Land theoretisch ja alles – aber wo käme man da hin?
«Wenn ich im Garten bin, bin ich glücklich», sagt sie, und schaltet den Staubsauger wieder ein. Ich gehe weiter. Wer bin ich, über ihr Glück zu urteilen?
Noch immer die Schweiz: Das sind immer noch wir.
Milena Moser, geboren 1963, hat in Zürich und San Francisco gelebt, jetzt in Möriken-Wildegg. Zwei Kinder grossgezogen, vierzehn Bücher veröffentlicht, zuletzt «Möchtegern».
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