Aufruf der Hundert


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Ingeborg Kaiser


halali

deine schritte übers
morgenfeld seltener
augenblick der eintracht
zwischen natur und mensch
unter glasblauer weite das
hügelige land satte
spätsommerfarben und dann
die tiere im geviert
schafe ziegen und schweine
gesichter mit rätselblick
dein sanftes streicheln sanfter
verrat eine äsende ricke stellt
die loser und flieht in
ihrer rotbraunen decke
stecken messer und gabel
halali in allen wäldern
trockenes gebell der
schüsse echorollen
vollzug und wieder

der rotfuchs glasaugig
um den kinderhals erbeutet
in polens wäldern und
lange von zeitmotten
zerfressen doch unversehrt
seine behagliche wärme in
deinem gedächtnis arglos bewahrt
ohne schüsse und schweissfährte
eilig der schlitten der jäger
mit dampfenden ponys
über das besiegte land
weidmannsheil weidmannsdank
und mitten ins siegergehabe der
blattschuss aus dem hinterhalt
die felldecken färbt das
neue blut du fürchtest
die vergeltung das gegenmetzeln
den partisanen am galgenbaum
gefroren wie sein land vom
wind sacht bewegt starr der
blick zum roten horizont
partisanen zahllos wie
krautköpfe und zahllos
die verschwundenen ein
blutbrunnen unaufhörlich
am fliessen durch das
jahrhundert namenlosen
tötens warschauer getto
sibiria auschwitz wald von katyn
stichworte gegen das vergessen
von der zeittafel abzurufen
deportieren umsiedeln aussiedeln
menschen wie strandgut
als heimat die gräber
der ahnen verblieben
am ort




 


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