Nora Gomringer


Sie öffneten den Mund sehr weit

Und es kamen heraus:
Babys, denen man die Stirn bekreuzte.
Windräder, die laut im Garten des Nachbarn surrten,
goldenen Wind zu spinnen.
Reformen, Reformen, Refrains,
Meine Mutter, die entstieg dem Rachen.
Sie machte ein ratloses „tztztz“
Und überlegte, wohin mit der Türkei.
Einen langen Schal zog sie hinter sich her,
Telefonkabel, Abhöranlagen und einen alten Mann
Mit dem Namen eines Tycoons.
Laute Echos, die mir von Chancen
Ob meiner Jugend
Ob meiner Leistungskraft
– wie wenig sie doch von mir wussten dort unten...
Vieles versprachen.
Dichter flogen aus dem Schlund,
wie immer unerschütterlich dem Licht entgegen.
Taler entrollten den Kiefern und klingelten
Gen Norden, Osten,
Olivensüden, HotDogWesten.
Mein toter Großvater kam dieser Tage
Aus der Röhre gekrochen, die Säure setze ihm zu.
Es sei ihm zu gallig dort unten.
Sie hätten ihm gesagt, die Gräber der Alten,
die lehrten Respekt, das Rechts sei vom Links
kaum zu scheiden.
Und bald karpfte ich nach und redete Stuss
Begann selbst den Mund weit zu öffnen.

Juli 2011




 




© www.kunst-und-politik.ch  |  Impressum  |  Zum Seitenanfang