Verhätschelte Staatskünstler

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20 Minuten, 4. Januar 2011 ...
(Lesenswert sind zumal die Kommentare)

Vorarlberger Nachrichten; 6./7. 1. 2011

Verhätschelte Staatskünstler

Christa Dietrich

Ein direkter Vergleich einer Künstler-Aktion mit einer anderen ist schwierig und vor allem im Zusammenhang mit Vorfällen in Diktaturen nur als Nachdenkhilfe anzuführen. Unter dieser Voraussetzung sind solche Verweise aber durchaus brauchbar. »Verbrennt mich!« hatte Oskar Maria Graf per Zeitungsaufruf im Mai 1933 gefordert. Der bekannte deutsche Schriftsteller (1894‑1967), der sich zuvor schon als kritischer Geist hervortat, wollte nicht zu jenen Künstlern gehören, die sich dem faschistischen Regime anbiedern. Nachdem seine Bücher von den Nationalsozialisten nicht gleich (oder nicht überall) auf die Liste der zu verbrennenden gesetzt wurden, verwehrte er sich persönlich dagegen, in deren Augen empfehlenswerte Lektüre verfasst zu haben.

Graf wurde daraufhin ausgebürgert und floh schließlich in die Vereinigten Staaten. In München wurde eigens eine Graf‑Bücherverbrennung angesetzt.

Machen wir einen Zeitsprung. Dass Kulturschaffende, die heute Provokantes produzieren, mitunter mit öffentlichen Mitteln unterstützt werden, ist Politikern bürgerlicher oder in Richtung rechts orientierter Parteien oft ein Dorn im Auge. Um den Zorn einiger Steuerzahler zu schüren, wird gelegentlich auch behauptet, dass die Person hohe Subventionssummen erhält, wenn das gar nicht der Fall ist.

»Staatskünstler« ist da ein Begriff, der gerne fällt und den Leuten vermitteln soll, dass da jemand irgendwie zu Unrecht irgend etwas vom Staat bekommt. Die Verbalattacken der Schweizer SVP sind ein bekanntes Beispiel dafür. Zuletzt wurden Pipilotti Rist, Christoph Büchel und Mike Eschmann mit dem Begriff »verhätschelte Staatskünstler« versehen. Die Schweizer Künstlerplattform »Kunst und, Politik« (www.kunst‑und‑politik.ch) tritt nun zur Gegenwehr an. Zahlreiche Vertreter begehren per Unterschrift auch als »verhätschelte Staatskünstler« betitelt zu werden. Täglich werden es mehr. Man solidarisiert sich. Die Stadt München hat Oskar Maria Graf nun ein Denkmal gewidmet. Im Literaturhaus. Mit Sprüchen des Dichters. »Es kommt mir nämlich, nach all dem Schrecklichen, das wir durchleben mussten, wertlos vor, wenn wir Schriftsteller einander nicht die Wahrheit sagen«, lautet einer.


© St. Galler Tagblatt; 5. Januar 2011

«Staatskünstler» wehren sich

110 Schweizer Künstlerinnen und Künstler fordern in einem offenen Brief, von der SVP als «verhätschelte Staatskünstler» bezeichnet zu werden.

Schweizer Künstler schlagen zurück: Nachdem die SVP in ihrem Entwurf zum Parteiprogramm 2011–2015 drei Kunstschaffende namentlich als «verhätschelte Staatskünstler» bezeichnet hat, bewerben sich 110 Kulturschaffende darum, ebenso genannt zu werden.

«Auch ich bin Staatskünstler»

In einem offenen Brief schreibt die Vereinigung Kunst+Politik: «Im neuen Parteiprogramm der SVP werden Pipilotti Rist, Christoph Büchel und Mike Eschmann als <Verhätschelte Staatskünstler> namentlich genannt. (...) Auch ich bin ein verhätschelter Staatskünstler und möchte genannt werden. Darf ich Sie freundlich bitten, mich in Ihr Parteiprogramm aufzunehmen?»

Die Bewerber um den Titel «Verhätschelter Staatskünstler» beziehen sich auf das Kapitel «Kultur ist Sache der Kultur» im SVP-Parteiprogramm. Dort wird unter anderem bemängelt, dass «die von den Kulturbürokraten verhätschelte Staatskünstlerin Pipilotti Rist von der Pro Helvetia mit einem Dauergeldsegen versorgt wird».

«Mehr Markt und Volkskultur»

Beanstandet werden auch die Fördergelder für Christoph Büchels «pornografische Inszenierung <Raum für Sexkultur> in Wien» und Mike Eschmanns «frauenverachtenden, gewaltverherrlichenden» Film «Breakout». «Statt Staatskultur» fordert die SVP «mehr Markt und mehr Volkskultur», also Kultur, die entweder gratis ist oder rentiert.

Prominente unterzeichnen Brief

Bis gestern mittag haben 110 Schweizer Kulturschaffende den offenen Brief unterzeichnet. Der Brief und die Künstlernamen sind im Internet publiziert. Unter ihnen sind die doppelte Buchpreisträgerin Melinda Nadj Abonji, die Autoren Guy Krneta, Martin R. Dean und Catalin Dorian Florescu, der Filmer Samir und der Basler Schauspieler Buddy Elias, Cousin von Anne Frank. (sda)

www.kunst-und-politik.ch


© Der Landbote; 5. Januar 2011

«Verhätschelte Staatskünstler»

Herbert Büttiker

bern. «Auch ich bin ein verhätschelter Staatskünstler und möchte genannt werden. Darf ich Sie freundlich bitten, mich in Ihr Parteiprogramm aufzunehmen?» – Nachdem die SVP in ihrem Entwurf zum Parteiprogramm 2011–2015 drei Kunstschaffende namentlich als «verhätschelte Staatskünstler» bezeichnet hat, bewerben sich 110 Kulturschaffende darum, auch genannt zu werden. Unter ihnen sind etwa die Buchpreisträgerin Melinda Nadj Abonji, die Autoren Guy Krneta, Martin R. Dean und Catalin Dorian Florescu oder der Filmer Samir.

Die Bewerber um den Ehrentitel «Verhätschelter Staatskünstler» beziehen sich in ihrem offenen Brief auf das Kapitel «Kultur ist Sache der Kultur» im SVP-Parteiprogramm. Dort heisst es, die von den Kulturbürokraten verhätschelte Staatskünstlerin Pipilotti Rist werde von der Pro Helvetia mit einem Dauergeldsegen versorgt, und moniert wird die Förderung von Christoph Büchels «pornografischer Inszenierung» in Wien und von Mike Eschmanns «frauenverachtendem, gewaltverherrlichendem» Film «Breakout».

Über die Frage, wer und was Unterstützung verdient, lässt sich immer (und auch in diesen Fällen) streiten. Zu Wort melden müssten sich aber eigentlich nicht die «Verhätschelten», sondern die, die Verhätschelung brauchen. Verhätschelung bedeutet hier aber «Zuwendung», die nötig ist, damit Kulturarbeit gedeiht – dies im Interesse der Gesellschaft. Kultur ist von der Gartenkunst im Stadtpark bis zur Hochschule der Künste eine öffentliche Angelegenheit. Gefragt sind somit Kulturverantwortliche, die wir alle sein sollten. Dem Gesetz des Marktes allein kann nicht einmal die «gelebte Volkskultur» überlassen werden. Die Devise «Kultur ist Sache der Kultur» greift zu kurz. Aber vielleicht ist sie einfach nicht die Sache der Parteipolitik. (hb)


© Tages-Anzeiger; 5. Januar 2011

Ich bin auch ein verhätschelter Staatskünstler!

«Sehr geehrter Herr Brunner, sehr geehrter Herr Mörgeli»: Schweizer Künstler schweigen nicht, und schon gar nicht die von der Plattform Kunst + Politik. Auf den Entwurf des neuen SVP-Programms 2011–2015 haben sie mit einem offenen Brief reagiert, der schon über hundert Unterzeichner gefunden hat.

Hatten sie vor kurzem «Rettet Basel!» gefordert – ihren ernsten «Aufruf gegen die weitere Vergiftung des sozialen und kulturellen Klimas» kann man immer noch unterschreiben –, so wechseln sie jetzt die Tonart. Zu Jahresbeginn ziehen sie den politischen Gegner so recht durch den Kakao. «Im neuen Parteiprogramm der SVP werden Pipilotti Rist, Christoph Büchel und Mike Eschmann als‹Verhätschelte Staatskünstler› namentlich genannt.(...) Auch ich bin ein verhätschelter Staatskünstler und möchte genannt werden. Darf ich Sie freundlich bitten, mich in Ihr Parteiprogramm aufzunehmen?», fragen eine ganze Menge bekannter Künstler, unter ihnen die Autoren Melinda Nadj Abonji, Martin R. Dean, Catalin Dorian Florescu, Simon Froehling, Guy Krneta, Urs Richle und Jürg Schubiger, der Filmer Samir und der Schauspieler Buddy Elias, Cousin von Anne Frank. (ked/SDA)


© Die Südostschweiz; 5. Januar 2011

110 Künstler wollen «verhätschelt» sein

Nachdem die SVP im Entwurf zum Parteiprogramm 2011 bis 2015 drei Künstler «verhätschelte Staatskünstler» nennt, bewerben sich weitere 110 Kulturschaffende um diesen Titel.

Bern. - In einem offenen Brief an die SVP schreibt die Vereinigung Kunst und Politik: «Im neuen Parteiprogramm der SVP werden Pipilotti Rist, Christoph Büchel und Mike Eschmann als 'verhätschelte Staatskünstler' namentlich genannt. (...) Auch ich bin ein verhätschelter Staatskünstler und möchte so genannt werden. Darf ich Sie freundlich bitten, mich in Ihr Parteiprogramm aufzunehmen?»

SVP fordert «mehr Markt»

Im Kapitel «Kultur ist Sache der Kultur» des SVP-Programms wird unter anderem bemängelt, dass «die von den Kulturbürokraten verhätschelte Staatskünstlerin Pipilotti Rist von der Pro Helvetia mit einem Dauergeldsegen versorgt wird». «Statt Staatskultur» fordert die Partei «Mehr Markt und mehr Volkskultur», also Kultur, die entweder gratis ist oder rentiert.

Bis gestern Mittag haben 110 Kulturschaffende den offenen Brief unterzeichnet. Unter ihnen die Buchpreis-Trägerin Melinda Nadj Abonji, die Autoren Guy Krneta, Martin R. Dean und Catalin Dorian Florescu und der Filmer Samir. (sda)


© Aargauer Zeitung / MLZ; 5. Januar 2011

Künstler wollen verhätschelt sein

Schweizer Künstler schlagen zurück: Nachdem die SVP in ihrem Entwurf zum Parteiprogramm 2011–2015 drei Kunstschaffende namentlich als «verhätschelte Staatskünstler» bezeichnet hat, bewerben sich 110 Kulturschaffende darum, ebenso genannt zu werden.

In einem offenen Brief schreibt die Vereinigung Kunst+Politik: «Im neuen Parteiprogramm der SVP werden Pipilotti Rist, Christoph Büchel und Mike Eschmann als ‹verhätschelte Staatskünstler› namentlich genannt. (...) Auch ich bin ein verhätschelter Staatskünstler und möchte genannt werden. Darf ich Sie freundlich bitten, mich in Ihr Parteiprogramm aufzunehmen?»

Die Bewerber um den Titel «Verhätschelter Staatskünstler» beziehen sich auf das Kapitel «Kultur ist Sache der Kultur» im SVP-Parteiprogramm. Dort wird unter anderem bemängelt, dass «die von den Kulturbürokraten verhätschelte Staatskünstlerin Pipilotti Rist von der Pro Helvetia mit einem Dauergeldsegen versorgt wird».

Beanstandet werden auch die Fördergelder für Christoph Büchels «pornografische Inszenierung ‹Raum für Sexkultur› in Wien» und Mike Eschmanns «frauenverachtender, gewaltverherrlichender» Film «Breakout». (sda)


© Berner Zeitung; 5. Januar 2011

«Verhätschelte Staatskünstler»

Schweizer Künstler schlagen zurück: Nachdem die SVP in ihrem Entwurf zum Parteiprogramm 2011–2015 drei Kunstschaffende namentlich als «verhätschelte Staatskünstler» bezeichnet hat, bewerben sich 110 Kulturschaffende darum, ebenso genannt zu werden. In einem offenen Brief schreibt die Vereinigung Kunst + Politik: «Im neuen Parteiprogramm der SVP werden Pipilotti Rist, Christoph Büchel und Mike Eschmann als ‹verhätschelte Staatskünstler› namentlich genannt. (...) Auch ich bin ein verhätschelter Staatskünstler und möchte genannt werden. Darf ich Sie freundlich bitten, mich in Ihr Parteiprogramm aufzunehmen?» sda


© Basler Zeitung; 5. Januar 2011

«Verhätschelte Staatskünstler»

BERN. Die SVP hat in ihrem Entwurf zum Parteiprogramm 2011–2015 drei Kunstschaffende als «verhätschelte Staatskünstler» bezeichnet. Die Vereinigung Kunst+Politik will die Kulturpolitik der SVP ad absurdum führen (www.kunst-und-politik.ch). In einem Brief an die Partei, den 110 zum grossen Teil unbekannte Kulturschaffende unterschrieben, heisst es: «Im neuen Parteiprogramm der SVP werden Pipilotti Rist, Christoph Büchel und Mike Eschmann als ‹Verhätschelte Staatskünstler› namentlich genannt. (…) Auch ich bin ein verhätschelter Staatskünstler und möchte genannt werden.»


Revue de presse: textes en français


© www.swissinfo.ch; 4 janvier 2011 [->portugues...]

L’appel des artistes suisses à la droite conservatrice

Les artistes suisse dénoncent une prise de position de l’Union démocratique du centre sur la culture. Ils veulent faire partie de la liste d' «artistes d’Etat cajolés» établie par la première force politique du pays qui vilipende Pipilotti Rist, Christoph Büchel et Mike Eschmann.

Le 4 décembre 2010, toutes les caméras du pays étaient tournées vers un champ de Coinsins, dans le canton de Vaud. Après s’être vue refuser l’accès dans un lieu de réunion de Lausanne, l’Union démocratique du centre (UDC/droite conservatrice) y tenait en effet une assemblée des délégués en plein air.   Du coup, les comptes-rendus se sont attachés à la forme de la réunion et à des points particuliers du nouveau programme, tel que la résiliation de Schengen. Mais nombre de chapitres de ce nouveau texte n’ont pas attiré l’attention.   C’est le cas des trois pages consacrées à la culture, une première pour l’UDC. «A l’instar de l’école et de la politique des médias, nous nous sommes enfin penchés sur un domaine que nous avons trop longtemps négligé, la culture», déclare le député zurichois Christoph Mörgeli, qui a rédigé le chapitre en question.

Fusion de Pro Helvetia et de Présence Suisse

«Nous nous devons de lutter, là aussi, contre le gaspillage d’argent public», ajoute-t-il. L’UDC demande, entre autres, la fusion de Pro Helvetia avec Présence Suisse, organisme de promotion de l’image de la Suisse dont elle a demandé la dissolution il n’y a pas si longtemps.   La fusion des deux organismes devrait être «accompagnée d’une réduction substantielle des moyens» et «concentrer ses missions sur un nombre restreint de domaines». Mais l’UDC dénonce aussi des artistes, qu’elle cite par leur nom, et qui sont, selon elle, des «artistes d’Etat cajolés».   Les nommés sont Pipilotti Rist (qui aurait «droit à une rente à vie de Pro Helvetia»), Christoph Büchel (auteur d’une «mise en scène pornographique») et le réalisateur Mike Eschmann, (auteur d’une «œuvre misogyne et apologétique de la violence»). Pourquoi ceux-là et non d’autres? «Nous avons pris les exemples les plus extrêmes, répond Christoph Mörgeli, qui admet ne pas savoir combien de subsides toucherait Pipilotti Rist.

«Je suis un artiste d’Etat chouchouté»

Pour la plateforme Art+Politique, la liste des cités est «très incomplète». Ils lancent l’appel suivant au président de l’Union démocratique du centre, Toni Brunner, et à Christoph Mörgeli. «Moi aussi je suis un artiste d’Etat cajolé et chouchouté. Puis-je vous prier de bien vouloir me faire figurer dans le programme de votre parti?» 
«Nous nous inspirons de l’écrivain allemand Oskar Maria Graf, qui n’avait pas été choisi par les nazis pour être mis à l’index et dont ils recommandaient même la lecture», explique l’écrivain bernois Guy Krneta, un des artistes engagés dans Art+Politique.

«Brûlez-moi!»

«Par solidarité avec les écrivains dont les livres avaient été brûlés deux jours avant, lors de l’autodafé de mai 1933, Graf avait publié un texte dans un journal viennois pour dire «Brûlez-moi!» Nous voulons lui rendre hommage, et cette référence n’est pas le fruit du hasard. Nous voulons montrer notre solidarité, indépendamment de leur œuvre, avec des artistes désignés comme étant des «profiteurs».   Mais l’appel et l’action des artistes va plus loin que la seule solidarité. Art+Politique, qui se veut un réseau et une plateforme permettant de diffuser des positions communes, dénonce aussi «des raisonnements complètement erronés» et des «affirmations grossières».   «Pour moi, prétendre que «la culture est l’affaire de la culture», signifie tout simplement la fin de la politique», note Guy Krneta. Les artistes s’opposent aussi à la distinction stricte opérée par l’UDC entre «culture populaire» et culture «officielle».   Selon l’UDC, la culture relève du marché, pas des pouvoirs publics. Le parti demande «plus de culture populaire» - avec des individus «passionnés et bénévoles». Et si la culture populaire reçoit des subventions? «C’est aussi faux!», répond Christoph Mörgeli.

Plaire au public !

La culture, écrit encore le parti, «n’a qu’un seul but: créer quelque chose qui plaise au public et à ceux qui le pratiquent.» Il estime même qu’une «production qui rate son public cible n’a pas de sens.»   «Opposer la culture populaire à la «culture d’Etat» ne tient pas la route, rétorque Guy Krneta. De nombreux responsables – metteurs en scène, chefs de chorale, scénographes de théâtre amateurs, actrices et acteurs, etc. – sont aussi soutenus par les pouvoirs publics.»   L’UDC ne rejette toutefois pas toute intervention des pouvoirs publics en faveur de la culture. Elle verrait en effet d’un bon œil des allégements fiscaux– «voire l’exonération» – pour les «fondations culturelles de droit privé et les dons».   Pour Christoph Blocher, donc, qui finance une fondation musicale sur l’Ile de Rheinau?   «Oui bien sûr, répond Christoph Mörgeli. Les pouvoirs publics économisent des millions grâce à lui.»   La droite conservatrice   pourrait en tout cas étoffer sa liste d’artistes «profiteurs». En ce milieu de première semaine de l’année, l’appel «Cajolés et chouchoutés» d’Art+Politique a été signé par plus de 100 artistes.

Ariane Gigon,swissinfo.ch Zurich


© La Liberté; 4 janvier 2011

«Moi aussi, je suis un artiste cajolé!»

Dans son programme, l'UDC a rédigé un chapitre sur la culture. Les artistes dénoncent une simplification haineuse et dénuée de tout fondement.

Propos recueillis par Ariane Gigon

Le temps des artistes enfermés dans leur tour d'ivoire créatrice et rétifs à s'exprimer sur les sujets d'actualité, est bel et bien révolu. En ce début d'année, l'association Art+Politique lance un nouvel appel, dirigé à nouveau contre l'UDC. Dans un chapitre de son programme passé inaperçu lors de son adoption au début décembre, le parti explique en effet ses principes de... politique culturelle.

Courant sur trois pages, ce chapitre donne aussi deux exemples mis en évidence: le premier loue le mécénat de Christoph Blocher sur l'île de Rheinau (pour une fondation musicale) et le deuxième vilipende les «artistes d'Etat cajolés», en citant nommément Pipilotti Rist (qui aurait «droit à une rente à vie de Pro Helvetia»), Christoph Büchel (auteur d'une «mise en scène pornographique») et le réalisateur Mike Eschmann (auteur d'une «œuvre misogyne et apologétique de la violence»).

L'appel d'Art+Politique s'adresse au conseiller national zurichois Christoph Mörgeli, qui a rédigé le chapitre en question, et au président du parti Toni Brunner. Les artistes leur demandent de les intégrer à leur liste, car «moi aussi je suis un artiste d'Etat cajolé et chouchouté». Explications de l'écrivain bâlois Guy Krneta, un des artistes engagés dans Art+Politique.

L'appel à être inscrit sur la liste du programme de l'UDC est pour le moins ironique. Comment l'idée est-elle née?
Guy Krneta: Nous nous inspirons de l'écrivain allemand Oskar Maria Graf, qui n'avait pas été choisi par les nazis pour être mis à l'index et dont ils recommandaient même la lecture. Par solidarité avec les écrivains dont les livres devaient être brûlés lors de l'autodafé de 1933, Graf avait publié un texte dans un journal viennois pour dire «Brûlez-moi!». Nous voulons lui rendre hommage, et cette référence n'est pas le fruit du hasard. Nous voulons montrer notre solidarité, indépendamment de leur œuvre, avec des artistes désignés comme étant des «profiteurs».

Outre les noms, l'UDC dit aussi, en préambule, vouloir s'opposer à «la censure, à la mise au pas et à l'exclusion» dans le domaine de la culture officielle. Vous n'êtes pas d'accord?
Le risque est plus grand avec des privés qu'avec des institutions publiques, qui doivent garantir un minimum de transparence. Très vite, le texte pratique des simplifications qui reposent sur des faits et des raisonnements complètement erronés. On trouve des formules qui remontent directement à un article paru il y a six ans dans la «NZZ», sous la plume de Robert Nef, du «Liberales Institut Zürich». Cet article m'avait frappé car il contenait déjà des affirmations très grossières sur la culture d'Etat faite par et pour la gauche, et sur l'importance du marché libre pour la culture. Or on retrouve les mêmes termes, dans certains passages du programme UDC, notamment l'affirmation que «la culture est l'affaire de la culture», ce qui, à mon sens, signifierait la fin de la politique.

Que dénoncez-vous particulièrement?
Outre la chasse aux sorcières, totalement arbitraire, contre trois artistes dans un programme qui est applaudi par des centaines de personnes, l'UDC oppose par exemple la culture populaire à la «culture d'Etat», ce qui ne tient pas la route. De nombreux responsables - metteurs en scène, chefs de chorale, scénographes de théâtre amateur, actrices et acteurs, etc. - sont aussi soutenus par les pouvoirs publics. A mon avis, l'UDC n'a aucune idée des conditions de création de la culture, quelle qu'elle soit. De plus, elle pourrait au moins demander de bonnes conditions-cadres pour la culture populaire, ce qu'elle ne fait pas.

Votre collectif prend sa place dans la discussion publique, après des années où on entendait peu les artistes sur des sujets de société. Que s'est-il passé?
Je crois que les artistes ont une sorte de réserve envers les autres artistes, car ils sont, par essence, des personnes nuancées. Mais les artistes sont aussi celles et ceux qui voient, ou trouvent, certaines choses insupportables et qui «bouillonnent» très vite. Une nouvelle génération a envie de dire «stop» à certaines affirmations politiques.

Vous aviez aussi organisé des rencontres avec des politiciens au sujet de la nouvelle loi sur l'encouragement de la culture. Qu'avez-vous appris?
Nous avons constaté que la plupart des politiciens ne sont pas opposés à la culture en général, mais qu'ils ne la connaissent pas bien, surtout ce qui a trait aux créateurs indépendants. Mais nous avons rencontré beaucoup de politiciens très ouverts, y compris au sein de l'UDC, dont certains ont fait adopter des amendements qui allaient dans notre sens.

Tous les artistes ne sont-ils donc pas de gauche, comme le prétend l'UDC?
C'est un mensonge qui date de la guerre froide. Les artistes sont extrêmement ambivalents. Mais propager cette idée est un truc que le parti utilise pour se faire de la place, et nous voulons démonter cette stratégie...

La culture selon l'UDC

«A l'instar de l'école et de la politique des médias, nous nous sommes enfin penchés sur un domaine que nous avons trop longtemps négligé, la culture. Nous nous devons de lutter, là aussi, contre le gaspillage d'argent public», déclare le conseiller national Christoph Mörgeli (photo keystone), qui a rédigé le chapitre intitulé «La culture est l'affaire de la culture» dans le programme du parti.

L'UDC demande, entre autres, la fusion de Pro Helvetia avec Présence Suisse (organe de promotion de l'image de la Suisse), dont elle a demandé la dissolution il n'y a pas si longtemps. La fusion des deux organismes devrait être «accompagnée d'une réduction substantielle des moyens» et «concentrer ses missions sur un nombre restreint de domaines».

Selon l'UDC, la culture relève du marché, pas des pouvoirs publics. Le parti demande «plus de culture populaire», avec des individus «passionnés et bénévoles». Et si la culture populaire reçoit des subventions? «C'est aussi faux!», répond Christoph Mörgeli.

Mais l'Etat peut quand même intervenir: par exemple en accordant des allègements fiscaux - «voire l'exonération» - pour les «fondations culturelles de droit privé et les dons». Donc pour Christoph Blocher, qui finance une fondation musicale sur l'île de Rheinau? «Oui, bien sûr, répond Christoph Mörgeli. Les pouvoirs publics économisent des millions grâce à lui.»

La culture, aux yeux du parti, «n'a qu'un seul but: créer quelque chose qui plaise au public et à ceux qui la pratiquent». Il estime même qu'une «production qui rate son public cible n'a pas de sens». AG


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